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Nicht verunsichern lassen

Am 1. Januar 2018 tritt die Investmentsteuerreform in Kraft. Doch nach wie vor herrscht mehr Verwirrung als Klarheit. So ist nur ein halbes Jahr vor dem Stichtag vielen Anleger immer noch nicht klar, was mit ihren steuerfreien Erträgen passiert. Kann ich von Teilfreistellungen profitieren? Und vor allem: Muss ich vor 2018 noch handeln? Hier unsere Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Kern der Neugestaltung ist die Besteuerung deutscher Fondsgesellschaften, die bisher einen Steuervorteil gegenüber internationalen genossen haben. Auf Druck der EU wird diese Sonderbehandlung nun abgeschafft. Die gute Nachricht für Anleger: Unterm Strich werden ihre Steuerzahlungen nicht erhöht, weil als Ausgleich sogenannte Teilfreistellungen für Fondserträge eingeführt werden.

Nicht eindeutig waren bisher etwa die Auswirkungen auf Immobilienfonds mit Deutschland-Fokus, die Mieterträge und Verkaufserlöse bisher nicht versteuern mussten. Um hier Klarheit zu schaffen, haben wir für Sie recherchiert und direkt mit den betroffenen Fondsgesellschaften der wichtigsten deutschen aber auch ausländischen Immobilienfonds mit Bestand in Deutschland gesprochen. Insgesamt können wir festhalten, dass Immobilienfonds mit Sitz im Ausland von der Angleichung der Regelungen sogar profitieren werden, da der bisherige Wettbewerbsnachteil behoben wird. Anleger in deutschen Fonds mit ausschließlich deutschen Immobilien haben aber, nach aktuellem Stand, ebenfalls keinen Grund zur Sorge, da der Gesetzgeber für diese Fonds eine Teilfreistellung in Höhe von 60% vorsieht. Während auf der Fondsebene die Steuerlast erhöht wird, werden im gleichen Schritt die Anleger entlastet.

Es sollte sich also niemand von vagen Medienberichten verunsichern oder gar zu größeren Umschichtungen verleiten lassen. Provisionsberatern, die hierzu auffordern, könnte es dabei weniger um das Wohl des Kunden gehen. Sie haben möglicherweise eher die lukrativen Kaufaufschläge im Visier. Echte Gestaltung der Steuerlast nach Vorbild von Family-Offices sieht anders aus.

Deutlich anlegerfreundlicher ist unser Tipp für Fondsanteile, die vor 2009 erworbenen wurden. Für diese bisher steuerfreien Anteile fällt ab dem nächsten Jahr der Bestandsschutz weg. Sie zu halten hat sich aber trotzdem gelohnt: Für Erträge aus Altbeständen gilt ab 2018 ein Freibetrag von 100.000 Euro. Und zwar pro Person. Damit ergibt sich eine ganz einfache Möglichkeit, den Freibetrag zu vervielfachen. Durch die Übertragung steuerfreier Anteile auf Kinder und Ehepartner wird auch für diese jeweils ein Freibetrag von 100.000 Euro angesetzt.

Wer als Anleger mit entsprechendem Depotvolumen nicht davor zurückschreckt, den direkten Zugriff auf seine Anlagen abzugeben, kann die Steuerfreiheit nochmal effektiv verlängern. Ob diese Möglichkeit der Steuergestaltung auch noch nach Ablauf dieses Jahres möglich ist, wird derzeit noch von Steuerexperten diskutiert. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte also noch in 2017 handeln.

Vermengt wird das Thema Investmentsteuerreform häufig auch mit der Abschaffung der Abgeltungssteuer. Aber Achtung: Auch wenn im Bundesrat die Anzahl der Abgeltungssteuergegner stetig wächst, an der 25-Prozent-Pauschalsteuer ändert sich auch im Jahr 2018 nichts.

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