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Strafzinsen zwingen zum Umdenken

Negativzinsen und steigende Gebühren haben die Sparer zu Verlierern der Geldpolitik gemacht. Den Besitzern von Konten, Sparbüchern oder Versicherungen entgingen aktuellen Schätzungen zufolge in den vergangenen zehn Jahren bereits 648 Milliarden Euro. Wer bei Altersvorsorge und Vermögensaufbau auf Wertpapier-Investments verzichtet und lediglich auf die genannten Anlageformen setzt, wird auf längere Sicht keine Rendite erreichen, die über der Inflation liegt. An Fonds oder Aktien führt damit kein Weg mehr vorbei.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will ihre Leitzinsen noch lange niedrig halten, das hat der scheidende Notenbankchef Mario Draghi noch einmal deutlich gemacht. Eine vor allem in Deutschland geforderte Zinswende ist damit auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Das setzt insbesondere die Geldhäuser hierzulande unter zusätzlichen Ertragsdruck - von hausgemachten Problemen und konjunkturellen Risiken ganz zu schweigen.

Strafzinsen, Negativzinsen oder Minuszinsen – es gibt viele Begriffe dafür, wenn Banken ihre Sparer zur Kasse bitten. Denn anstatt die Kunden für ihre Geldeinlage zu belohnen, müssen sie für ihr Erspartes auch noch bezahlen. Negativzinsen werden auch indirekt über höhere Gebühren weitergegeben. In diesem Jahr hat bereits jedes dritte Geldhaus die Kontoführungsgebühren angehoben. Bei fast jeder zweiten Bank oder Sparkasse ist Geldabheben am eigenen Automaten oder im Verbund nicht mehr kostenlos. Dieser Trend dürfte sich weiter fortsetzen.

Aktuell sind Sparer von mehr als 130 Banken in Deutschland direkt von Strafzinsen betroffen: Tendenz steigend. Wie man der Tabelle entnehmen kann, verlangen insbesondere Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken Zinsen auf Sparguthaben. Aber auch bei Universalbanken wie der Deutschen Bank, Commerzbank, Hypovereinsbank und Postbank werden mit Geschäftskunden nach eigenen Angaben „individuelle Vereinbarungen“ getroffen.

Wer dieser schleichenden Enteignung entgehen will, muss nun für andere Anlageformen offen sein. Dies könnte in der „Sparernation“ Deutschland zu einem lange überfälligen Umdenken führen. Nur wenn Fonds und Wertpapiere einen Teil des Vermögens darstellen, lässt sich zumindest einen Ausgleich der Inflation erreichen. Neben der höheren Rendite im Vergleich zu Spareinlagen, spielt das Thema Sicherheit hier eine wichtige Rolle. So sind Fonds als Sondervermögen vor Pleiten von Banken und Fondsgesellschaften geschützt. Für Bankguthaben gilt hingegen lediglich die Einlagensicherung mit ihren starren Obergrenzen.

Fazit: Aus unserer Sicht gibt es für konservative Anleger im aktuellen Markt nach wie vor interessante Anlagechancen, ohne ein zu großes Risiko eingehen zu müssen. Da Staatsanleihen der großen Industrienationen immer weniger attraktiv erscheinen, würden wir insbesondere Anleihen von Unternehmen aus dem Infrastruktursektor hervorheben, die langfristig planbare Erträge erzielen und von zukünftig notwendigen Staatsausgaben profitieren sollten. Hinzu kommen Schwellenländeranleihen mit ihren vergleichsweise hohen Zinserträgen und günstig bewerteten Währungen.

Banken und Sparkassen mit Strafzinsen

Kreditinstitut

Anzahl betroffener Institute

Strafzinsen für Privatkunden

Strafzinsen für Geschäftskunden

Volks- und Raiffeisenbanken

22

-0,40% ab 100.000 EUR

-0,40% ab 100.000 EUR

Sparkassen

12

-0,40% ab 100.000 EUR

-0,40% ab 200.000 EUR

Deutsche Bank

k.A

Sparer sind bisher ausgeschlossen

individuelle Vereinbarung

Commerzbank

k.A

Sparer sind bisher ausgeschlossen

individuelle Vereinbarung

Hypovereinsbank

k.A

Sparer sind bisher ausgeschlossen

individuelle Vereinbarung

Postbank

k.A

Sparer sind bisher ausgeschlossen

individuelle Vereinbarung

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