Aktuelles

FondsbrokerNews zum Ukraine-Konflikt

Update vom 28.06.2022

Wegen ausbleibender Zinszahlungen an ausländische Gläubiger hat die amerikanische Rating-Agentur Moody's einen Zahlungsausfall für Russlands Schulden erklärt. Dies ist der erste Zahlungsausfall bei russischen Auslandsschulden seit über 100 Jahren.

Offiziell darf Moody's die Kreditwürdigkeit Russlands aufgrund der Sanktionen zwar nicht mehr bewerten. Dennoch stellte die US-Ratingagentur am Dienstagabend den Zahlungsausfall Russlands fest. Bis zum Ablauf der Zahlungsfrist am Montag hätten die Anleger von zwei Anleihen keine Zahlungen in Höhe von insgesamt 100 Millionen Dollar erhalten, teilte Moody's am Dienstagabend mit. "Wir stufen das nach unserer Definition als Zahlungsausfall ein." Weitere Ausfälle fälliger Zahlungen seien "wahrscheinlich", so Moody's weiter.

Das russische Finanzministerium erklärte hingegen, die Zinszahlungen seien wegen der Sanktionen blockiert worden und hätten die Gläubiger daher nicht rechtzeitig erreicht. Dass die Anleger nun kein Geld erhalten hätten, sei nicht die Folge eines Zahlungsausfalls, sondern auf das "Handeln Dritter" zurückzuführen.

Da der Zahlungsausfall nicht mit akutem Geldmangel der russischen Regierung zu tun hat, sind die direkten Folgen erst einmal gering. Es ist nicht mit einer drastischen Rubelabwertung oder dem Kollaps des Bankensystems zu rechnen. Wird der Ausfall offiziell festgestellt, könnten Gläubiger von Russland aber die Rückzahlung aller Schulden verlangen – auch von solchen, die eigentlich noch nicht fällig sind.

 Auf den Finanzmärkten war das Eintreten eines Zahlungsausfalls wegen der westlichen Sanktionen erwartet worden. Der Rubel verzeichnete am Morgen nur leichte Verluste gegenüber dem Dollar. Auch die Aktienmärkte reagierten kaum auf die Nachricht. Es zeigt sich erneut, dass die Entwicklung der Leitzinsen und Inflation aktuell einen deutlich größeren Einfluss auf die verschiedenen Anlageklassen hat.

 

Update 03.06.2022

Seit 100 Tagen herrscht bereits Krieg in der Ukraine. Der ursprüngliche Plan Putins, die Ukraine mit aller Macht zu überrumpeln und die Hauptstadt Kiew schnell unter Kontrolle zu bringen, ist nicht aufgegangen. Trotzdem ist der bisherige Kriegsverlauf alles andere als eine Niederlage. Aktuell gelten rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets als besetzt. Neben der Halbinsel Krim und dem ostukrainischen Donbass bleiben Teile der Bezirke Cherson, Saporischschja und Charkiw okkupiert. Auch im Bezirk Luhansk sind russische Truppen schon in die Nähe der administrativen Grenze der Region vorgedrungen. Die Anpassungen der militärischen Strategie waren zuletzt also erfolgreich.

Ein schnelles Ende des Konflikts am Verhandlungstisch ist damit nicht wahrscheinlicher geworden. Es bleibt aber hervorzuheben, dass die Diplomatie noch nicht am Ende ist. Gerade die Staatschefs Deutschlands, Frankreichs sowie Italiens suchen weiterhin das Gespräch mit den Kriegsparteien und arbeiten auf eine politische Lösung des Konflikts hin.

Die Aktienmärkte haben sich im Vergleich zum März zuletzt deutlich stabilisiert. Das Jahrestief des DAX bei ca. 12.800 Punkten (am 08.03.2022) haben wir deutlich hinter uns gelassen und der deutsche Aktienindex notiert inzwischen wieder bei 14.500 Punkten. Dies spiegelt auch die robusten Nachfrage- und Unternehmensdaten der letzten Wochen wider. Europa profitiert nach wie vor vom hohen Privatkonsum, der sich während der Corona-Pandemie aufgestaut hat. Die weiteren Auswirkungen des Krieges und der hohen Inflation bleiben aber schwer abzuschätzen und lasten auf der Anlegerstimmung.

In unseren Portfolios hat sich die breite Diversifikation und entsprechende Beimischungen von Rohstoffen, Immobilienfonds sowie defensiveren Aktiensegmenten (z. B. Dividendentitel Infrastruktur) ausgezahlt. Wir sehen entsprechende Positionen auch weiterhin als effektiven Schutz vor Marktschwankungen und wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Gesamtrisikos unserer Portfolios.

 

Update 04.04.2022

In den letzten Tagen haben sich russische Truppen aus der Region Kiew schrittweise zurückgezogen. Auch in weiten Teilen der Nordukraine ist Russland auf dem Rückzug. Es finden aber weiterhin Luftangriffe in beinahe allen Landesteilen statt, die große zivile Schäden anrichten und Menschenleben kosten. Bisher sind mehr als 3,8 Millionen Menschen auf der Flucht.

Während Europa noch versucht die Abhängigkeit von russischen Energieimporten zu verringern, haben die USA, das Vereinigte Königreich und Australien ein Importverbot für russisches Öl verhängt. Die Preise von Nickel, Neon, Palladium, Lebensmitteln, Öl und Erdgas sind zuletzt deutlich angezogen und sorgen für eine weiter steigende Inflation. In der Eurozone hat sie im März einen Wert von 7,5% erreicht.

Die Anlegerstimmung hat sich seit Anfang März gewendet und sorgte für eine überraschend schnelle Kurserholung. Der Aktienindex „MSCI Europe Index“ verzeichnet seit der Invasion sogar ein Plus von 0,7%. Die US-Aktienmärkte sowie der US-Dollar konnten ebenfalls zulegen. Hintergrund waren die gestarteten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sowie die erkennbaren Erfolge der gemeinsamen Sanktionspolitik des Westens. Die von Putin erwartete Unterstützung durch China blieb ebenfalls aus. Trotzdem halten wir es aktuell für nicht angebracht in Euphorie auszubrechen. Zu unvorhersehbar bleibt das Vorgehen der russischen Führung und ein Friedensabkommen scheint noch in weiter Ferne. Wir bleiben daher unserer aktuellen Strategie treu und würden von einer Erhöhung der Risiken in den Portfolios absehen.

Update vom 21.03.22:

Verhandlungen stabilisieren Aktienmärkte

Die Hoffnung auf Erfolge bei den Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland haben zuletzt zu einer merklichen Entspannung an den Aktienmärkten gesorgt. So konnte der DAX die Hälfte seiner Verluste wieder gutmachen und auch in den USA scheint ein Friedensabkommen bereits als wahrscheinlich an den Börsen eingepreist zu sein.

Die teuren Energiepreise und die entsprechend hohe Inflation drücken aber weiterhin auf die Stimmung. Trotz oder gerade wegen dieser Faktoren, gibt es aus unserer Sicht aber immer noch interessante Anlagesegmente, die in den nächsten Monaten den Gesamtmarkt schlagen könnten.

Dabei sind insbesondere die Rohstoffmärkte hervorzuheben. Energieträger wie Öl und Gas notieren hier zwar bereits auf sehr hohem Niveau, von einem raschen Rückgang der Preise ist aber bisher nicht auszugehen. Ähnlich sieht die Situation bei Edelmetallen aus. Diese gelten traditionell sowohl als Krisen als auch Inflationsschutz und haben dies auch in 2022 bereits bewiesen. Noch besser sieht der Ausblick für Industriemetalle aus. Mit den Trends zu Erneuerbaren Energien und E-Mobilität ist in den letzten beiden Jahren die Nachfrage nach Kupfer, Nickel, Aluminium und Kobalt stark gestiegen. Mit dem Ausfall von Russland als Rohstofflieferant wird das Angebot nun zusätzlich verknappt, was zu steigenden Preisen führen sollte.

Entscheidend für den Aktienmarkt wird, neben dem Krieg, auch die globale Zinspolitik. Die US-Wirtschaft und die Zinserhöhungspolitik der US-Notenbank dürften die Zinsen weiter steigen lassen - was  Value-Aktien gegenüber Wachstumswerten begünstigt. Die massiven Verluste bei Wachstumswerten in den vergangenen Monaten haben jedoch dazu geführt, dass einige Wachstumswerte nicht mehr teuer sind, sondern in Bezug auf Wachstum und überlegene Marktposition vielversprechend aussehen. Solange sich die Weltwirtschaft jedoch weiterhin positiv entwickelt, dürften Value-Aktien das bessere Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen. Ganz im Gegensatz zu den vergangenen 13 Jahren.

Eine weitere Anlageklasse, die bisher sehr stabil durch die Krise gekommen ist, sind offene Immobilienfonds. Die Immobilienwerte wurden von dem Krieg in der Ukraine bisher nicht beeinflusst und die Mieterträge verfügen über einen eingebauten Inflationsschutz: Gewerbliche Mietverträge verfügen in der Regel über eine direkte Kopplung an den Lebenshaltungskostenindex oder die Inflationsrate. Steigt die Inflation demnach beispielsweise um 2 Prozent, so erhöht sich auch die Miete in gleicher Höhe.


Update vom 11.03.2022

Der schreckliche Krieg in der Ukraine dauert an und das Leid der Menschen ist immens. Wir möchten daher unseren Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten und unterstützen die "Deutsch-Ukrainische Gesellschaft Rhein-Neckar e.V.". Mit Sach- und Geldspenden hilft die "DUG" Ukrainern, die direkt vom Krieg betroffen sind und unmittelbare Unterstützung benötigen.

Zu den am dringendsten benötigten Hilfsgütern gehören beispielsweise Medikamente, medizinisches Equipment, Lebensmittel, Heizlüfter, Kleidung und Dieselgeneratoren. Diese werden über regelmäßige Transporte in Zusammenarbeit mit der ukrainischen Botschaft in die Ukraine oder an die ukrainische Grenze geliefert. Dort werden die Hilfsgüter von lokalen Organisationen übernommen und verteilt.

Wenn Sie sich über die Arbeit der "Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Rhein-Neckar e.V." informieren oder selbst mit Spenden helfen möchten, besuchen Sie am besten die Homepage: https://www.dug-rhein-neckar.de/de

 

Artikel vom 28.02.2022

Wladimir Putin hat mit der großangelegten Invasion der Ukraine die Welt geschockt. Wir schauen traurig und mit Sorge auf die humanitäre Krise, der die Menschen in der Ukraine ausgesetzt sind und hoffen auf eine schnelle Deeskalation, um weiteres Leid zu vermeiden.

Der klare Bruch des Völkerrechts bedeutet auch einen Bruch Russlands mit dem Westen. Die bereits erklärten und noch zu erwartenden Sanktionen werden den Druck auf Moskau zwar erhöhen, aber auch den Welthandel treffen. Dennoch lassen sich die kurzfristigen Kursreaktionen, die Wladimir Putins Krieg auslöst, schwerlich vorhersagen. Versuche einen solchen Markt zu „timen“ oder aus Angst vor temporären Schwankungen Aktien zu verkaufen, kostet langfristig meist Rendite. Insofern sind wir diesbezüglich zurückhaltend.

Stattdessen setzen wir auf die hohe Diversifikation in unseren Portfolios. Diese zeigt insbesondere in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit ihre ganze Stärke. Durch die breite Streuung über verschiedene Anlageklassen, können einerseits Einschläge in einzelnen Positionen abgefedert und zugleich von positiven Entwicklungen an anderer Stelle profitiert werden. Beispielhaft ist etwa die Beimischung von Rohstoffen und Gold (über Rohstoffaktien oder defensive Mischfonds), die in der aktuellen Marktphase sogar Kurssteigerungen verzeichnen konnten. Auch unsere starke Gewichtung von asiatischen Aktien und offenen Immobilienfonds, die bisher weniger vom Ukraine-Konflikt betroffen sind, erhöht aktuell die Stabilität in den Portfolios.

Dass dieser krisenfeste Ansatz nicht zwangsläufig auch zu einer geringeren Rendite führt, haben wir bereits im letzten Jahr beweisen können (https://www.fondsbroker.de/de/die-news/aktuelles/mit-geringem-risiko-unter-die-top-5). Wir sind daher zuversichtlich, dass wir – ähnlich wie nach dem Corona-Tief - auch dieses Mal gut aus der Krise herauskommen werden.

Unser Ausblick: Während der politische Schaden und das Leid der Menschen in der Ukraine immens sind, dürften sich die langfristigen Folgen für die Weltwirtschaft (zumindest nach derzeitigem Stand der Dinge) in Grenzen halten. Steigende Energiekosten in Europa sollten den Druck erhöhen, sich schneller vom russischen Öl und Gas unabhängig zu machen. Dadurch reduziert sich für die Zukunft das Drohpotential Russlands deutlich. In der Hinsicht könnte sich der Einmarsch in die Ukraine für Putin und sein Regime als langfristiges Eigentor entpuppen. Der Weg zur Unabhängigkeit von russischen Ressourcen scheint zwar noch lang, aber auch auf diesem wird es Gewinner geben, von denen wir möglichst viele auch in Ihrem Portfolio berücksichtigen werden.

Bei allen Überlegungen zu den Marktentwicklungen, sind wir in Gedanken aber vor allem bei den Menschen, die unter diesem sinnlosen Krieg zu leiden haben. Neben den Ukrainern sind das auch alle Menschen, die Freunde und Verwandte in der Krisenregion haben. Wir wünschen ihnen nur das Beste sowie eine schnelle Rückkehr zu Frieden und einem Gefühl von Sicherheit.

 

Abbildung: geralt/pixabay.com

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