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Börsencrash - ist diesmal alles anders?

Der Abverkauf der Märkte in den letzten Tagen dürfte an niemandem spurlos vorbeigegangen sein. Wir möchten daher die Entwicklungen einordnen und bewerten sowie unser Vorgehen erläutern.

Rückblickend betrachtet waren die Börsencrashs 1987, 2001 und 2008 die besten Einstiegszeitpunkte für Aktien. Ist diesmal alles anders? Die Antwort lautet: Nein. Wer sich allerdings in die Jahre 2001 und 2008 zurückversetzt, wird erkennen müssen, dass Kaufen auch damals leichter gesagt als getan war. Die Zeiten waren unsicher und es gab vor allem 2008 erhebliche Zweifel am System. Wer aber einen längeren Anlagehorizont hatte, hat in jedem Fall sehr gute Renditen in den Folgejahren erzielt. Der Anlagehorizont und nicht das kurzfristige Markt-Timing ist der Schlüssel zum Erfolg.

Die Ursache allen Unheils ist das Coronavirus. Ein Virus ist endlich. Es wird durch die radikalen Einschränkungen im öffentlichen Leben in seiner Ausbreitung eingedämmt bis eine vernünftige Balance aus Neuinfektionen und geheilten Personen erreicht ist und letztlich ein Medikament dagegen gefunden werden sollte.

Zur Einschränkung des Virus wird nun aber der Großteil der Weltwirtschaft lahmgelegt. Konsumenten bleiben zu Hause und kaufen nichts oder wenig, Unternehmen bricht der Umsatz ein und eine steigende Arbeitslosigkeit und Unternehmensinsolvenzen könnten die Folge sein. Die Schlüsselfrage lautet: Wie lange dauert diese Einschränkung des öffentlichen Lebens? Kein Unternehmen wird Mitarbeiter entlassen, wenn die Krise nur 3 bis 5 Wochen dauert. Dauert sie aber mehrere Monate an, werden die Schäden überproportional größer und wir könnten in ein wirtschaftliches Szenario analog zu 2008 hineinlaufen. Die Märkte sind gerade im Prozess eine lange anhaltende Krise einzupreisen.

Zwei Dinge stimmen uns aber zuversichtlich: (1) Eine zweiwöchige Inkubationszeit in Verbindung mit einer zweiwöchigen Heilungszeit müssten bedeuten, dass der Newsflow aus Europa ab nächster Woche besser wird. Die Maßnahmen in Europa sind mittlerweile so drastisch, dass uns eine ähnliche Entwicklung wie in China realistisch erscheint. Die USA haben zwar spät und zögerlich reagiert, werden jetzt aber ernster in der Virusbekämpfung. Die Börse nimmt positive Entwicklungen schnell vorweg. Sobald erkennbar wird, dass sich die Lage in Italien, Spanien und Deutschland stabilisiert, kommt auch wieder Hoffnung auf. Es wird dann antizipiert, dass das wirtschaftliche Geschehen mit Zeitversatz wieder aufgenommen werden kann. Wer mit Käufen an der Börse wartet bis das Virus endgültig bekämpft ist, dürfte recht spät sein. (2) Die Maßnahmen der EZB speziell, der Notenbanken weltweit sowie die weitreichenden fiskalischen Maßnahmen der Regierungen sind durchaus beeindruckend. Warum zweifelt der Markt aber an ihrer Wirksamkeit? Liegt hier eine Systemkrise vor? Die Antwort dürfte auch hier „nein“ lauten.  Das Problem ist vielmehr, dass monetäre und fiskalische Maßnahmen verpuffen solange die Wirtschaft stillsteht. Sowie aber die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder aufgenommen werden, entfalten sie ihre Wirkung besser. Zwischenzeitig helfen die reichlichen Maßnahmen den Stillstand der Wirtschaft zu überbrücken, in dem Liquidität zur Verfügung gestellt wird. Auch hier gilt natürlich: Je kürzer der Stillstand, desto besser. Damit kommen wir zu unserem ersten Punkt zurück: Der Newsflow im Coronavirus dürfte den Takt bestimmen.

Bewertungen haben derweil Krisenniveaus erreicht. Was auf den ersten Blick noch vor Wochen teuer aussah, sieht heute augenscheinlich attraktiv aus. Dies gilt nicht nur für Aktien sondern unter Einschränkungen auch für die risikobehafteteren Teile des Anleihesegments, wie zum Beispiel hochverzinsliche Anleihen oder Schwellenländeranleihen. Gerade bei Aktienbewertungen ist dabei der Blick nach vorne wichtig, weil die Gewinnschätzungen für 2020 dramatisch nach unten korrigiert werden müssen. Wer aber die Gewinne aus dem Jahr 2019 als Maßstab für 2021 nimmt, dürfte ebenfalls glücklich sein und dies scheint wiederum realistisch. Ferner bedeuten die niedrigen Zinsen, dass vor allem Aktien fast alternativlos attraktiv erscheinen, wenn die Welt sich normalisiert.

Selbstverständlich stehen wir Ihnen in dieser Zeit aber auch gerne jederzeit Rede und Antwort und freuen uns auf Ihren Anruf oder Ihre Mail. Ferner möchten wir uns auch für Ihr Vertrauen bedanken!

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